“Die steigenden Holzbauanteile im Hochbau sind die Folge von jahrelanger Marktentwicklung und Entscheiderinformation sowie besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen”

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Forst- und Holzwirtschaft: Boommarkt ‘Holzbau’: Wie geht es weiter?


Martin Langen (©)

Das Bauen mit Holz gilt als Zukunftsmarkt. Technische Entwicklungen und ein steigendes Umweltbewusstsein scheinen die Dynamik zu beschleunigen. Aber ist der Holzbau wirklich der ersehnte Boommarkt? Martin Langen, Geschäftsführer der B+L Marktdaten GmbH, spricht auf dem Kongress über Trends, Chancen und Herausforderungen in diesem Sektor. Sein Unternehmen erstellt seit 25 Jahren weltweite Marktprognosen für die Bau- und Immobilienbranche. Im Vorabinterview zeichnet Langen die jüngere Entwicklung des Holzbaus nach und gibt einen Einblick in die Arbeitsweise seines Teams.

Herr Langen, die vergangenen beiden Jahre waren für die Forst- und Holzwirtschaft geprägt von massiven Kalamitäten infolge von Stürmen, Trockenheit und Käferbefall. Täuscht der Eindruck, dass die Branche diese Krisen verhältnismäßig gut wegsteckt?

Die Entwicklung der Absatzmärkte, allen voran der Bauwirtschaft, haben der Nachfrage nach Holz und Holzwerkstoffen Rückenwind verliehen. Zusätzlich zu diesen wachsenden Absatzmengen hat die gesteigerte Weiterverarbeitung in Form von KVH, BSH, BSP etc. die Wertschöpfung erhöht. Dazu muss man sagen, dass beides nicht von alleine geschehen ist. Denn die steigenden Holzbauanteile im Hochbau sind die Folge von jahrelanger Marktentwicklung und Entscheiderinformation sowie besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen, die sich nun auszahlen.

Neben den branchenspezifischen Problemen ist die gesamtwirtschaftliche Stimmung in Deutschland eingetrübt. Sehen Sie in der Holzwirtschaft dennoch Anlass zu Optimismus?

Der Holzbau, als einer der Treiber der Holzwirtschaft in Deutschland, entwickelt sich bereits seit einigen Jahren positiv und wird dies nach aktuellen B+L-Prognosen auch in den kommenden Jahren tun. Ökologische Aspekte wie der Einsatz nachwachsender Rohstoffe, die Reduktion der CO2-Emissionen bzw. Nutzung der CO2-Bindungsfunktion, die steigende Vorfertigung mit Holzeinsatz oder der Trend zum Bauen mit Brettsperrholz treiben die Fortwirtschaft aus Sicht der Bauwirtschaft auch weiterhin.

Auf welchen Daten basieren Ihre Prognosen?

Unsere Prognosen basieren auf regelmäßigen Befragungen von verschiedenen Zielgruppen wie Verarbeitern, Architekten und Planern, Industrie und Handel. Mehr als zwei Jahrzehnte Industriekenntnis helfen uns, die Märkte und Entwicklungen zu verstehen. Unsere Prognosen sind alle “handmade” von unseren erfahrenen Analysten, werden aber natürlich durch Algorithmen und automatische Kalkulationen unterstützt.

Wie können wir uns Ihre Analyse- und Beratungsleistung vorstellen?

Wir bieten unseren Kunden Market Intelligence und Forecasting. Spezialisiert auf die Branchen rund um das Bauen, Wohnen und Immobilien, erstellen wir weltweite Marktprognosen für alle Produkte in diesem Bereich. Dafür überwachen und erfassen wir fortwährend die Bauentwicklung und -tätigkeit von 73 Ländern, die zusammen mehr als 90 Prozent des globalen Bauvolumens abdecken. Diese Daten stellen wir dar und aktualisieren sie vier Mal pro Jahr mit einer Dreijahres-Bauprognose. Neben Quartalsdaten sind für die großen Flächenstaaten auch regionale Baukaufkraft- und Absatzpotenzialdaten verfügbar. Unsere Kunden nutzen die Prognosen aus dem B+L Global Building Monitor (GBM) in der Vertriebssteuerung, für strategische Bewertungen von Produkten und Märkten sowie für Vertriebs-, Produkt- und Investitionsentscheidungen. Zunehmend fließen die B+L-Daten nahtlos in die Planungssysteme ein.

Mit Holz wird grundsätzlich schon seit Jahrhunderten gebaut. Warum sollte der moderne Holzbau tatsächlich das Potenzial besitzen, ein “Game-Changer” im Bauwesen zu sein?

Der Holzbau profitiert vom positiven ökologischen Image, das viele Hausbauer und Sanierer dem Baustoff zuschreiben. Davon zeugen beispielsweise auch öffentliche Ansätze in Baden-Württemberg oder in Frankreich, die den Holzbau explizit fördern wollen. Der Aspekt Vorfertigung macht den Holzbau ebenfalls zum “Game-Changer”: Holz kommt hier in den Bereichen Wandelemente, Raummodule und Fassaden immer stärker zum Einsatz. Der Anteil an Vorfertigung wird zukünftig weiter steigen. Zudem hat der Brettsperrholz-Trend unter Beweis gestellt, dass dem Holzbau fast keine Grenzen in die Höhe gesetzt sind. Diese Entwicklung kann den Holzbauern sogar den Markt der Mehrfamilienhäuser eröffnen. Dies ist im Rahmen des immer stärker verdichteten Wohnens ein wichtiger Schritt. Durch die hohen Grundstückspreise werden im direkten Umfeld von Städten wie München und Stuttgart heute fast nur noch Mehrfamilienhäuser gebaut. Dieser Trend ist in der Schweiz, in der Wohnraum noch teurer ist, schon viel länger zu beobachten. Ein weiterer Anstieg des Holzbaus im Mehrfamilienhausbau ist für die Branche sehr wichtig, denn die absolute Anzahl an gebauten Einfamilienhäusern wird sich unabhängig von den Materialien in den nächsten Jahren voraussichtlich rückläufig entwickeln.

Die Wohnraumschaffung in Ballungsgebieten, wie Sie sie schildern, wird vielfach als die Chance für das Bauen mit Holz benannt. Ist dieses Szenario wirklich realistisch?

Holz ist der am meisten eingesetzte Baustoff, wenn es um Aufstockungen im Bestand geht. Gewicht und Bauzeit sprechen dabei für den Holzbau. Dies wird auch in Zukunft so bleiben, obgleich andere Materialien wie Beton oder Stahlleichtbau an Bedeutung gewinnen könnten.

Bei aller Dynamik gibt es auch Anlass zur Vorsicht. Gerade die internationalen Absatzmärkte sind infolge von Brexit, Handelsstreitigkeiten, Coronavirus etc. von großer Unsicherheit beherrscht. Von welchen Rahmenbedingungen, auch über die nationalen Grenzen hinaus, wird die Entwicklung der Baukonjunktur und der Holzverwendung abhängen?

Genau diese Frage steht im Zentrum meines Vortrages in Würzburg. Aber klar ist, dass zum Beispiel die Verpackungsindustrie schon ganz direkt von diesen Eintrübungen betroffen ist. Im Faktencheck werde ich die aktuellen Prognosen mit den zu erwartenden Auswirkungen darstellen.

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