„Die Argumente einer nachhaltigen Holznutzung sind letztlich einfach zu überzeugend, auch für Kritiker.“

Milliarden für den Wald: Was kommt davon im Wald an?

Dr. Andreas Schütte  (©)

Die Situation in den Wäldern ist seit der großen Trockenheit 2018 dramatisch. Wie wurde und wird die FNR in das Krisenmanagement auf Bundesebene eingebunden?

Sturm, Dürre und Kalamitäten… die Extremereignisse der vergangenen beiden Jahre hat vor allem die kleinen Privatwaldbesitzer getroffen. Darauf hat die FNR schnell reagiert: Etwa mit dem Förderleitfaden für Privatwaldbesitzer. Ein kleines aber feines Instrument, zur Information der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Ein weiteres Beispiel ist das Thema Waldbrände. Auch daran lässt sich unsere Arbeit gut darstellen. Wir haben dazu im Herbst vergangenen Jahres ein Fachgespräch organisiert und Maßnahmen erörtert, die jetzt im nächsten Schritt realisiert werden. Die FNR fungiert hier als Koordinator und Organisator. Wir bringen Experten und Entscheidungsträger zusammen. Die Vorhaben mit Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) auf Basis des Waldklimafonds werden sehr zeitnah im Frühjahr diesen Jahres begonnen werden.

Welche zusätzlichen Mittel wurden der FNR zur Verfügung gestellt und wurden neue Förderschwerpunkte entwickelt?

Im Jahr 2020 stehen aus dem sogenannten Klimaschutzpaket der Bundesregierung zusätzliche Mittel zur Verfügung. Zum einen werden vom BMEL für flankierende Maßnahmen zum Waldumbau 2,0 Mio. € und zum anderen 5,0 Mio. € für die Förderung der nachhaltigen Holzverwendung bereitgestellt. Mit dem Waldklimafond des BMEL und des BMU stehen wie bereits in den Vorjahren auch 25,0 Mio. € bereit.

Um einen wirkungsvollen Beitrag zur Vorbereitung auf den Klimawandel zu leisten, entwickelt die FNR gegenwärtig einen „Forschungsplan Wald & Holz“.

Dieser Plan bedarf noch der Abstimmung mit den Ministerien, sodass ich zu den „neuen“ Förderschwerpunkten noch nichts sagen kann. Diese werden von den beiden Ministerien gesetzt.

Wie kurzfristig können die Maßnahmen hier wirken oder welche Rolle kann die FNR bei den langfristigen technologischen Herausforderungen des Klimawandels spielen? In welchem Bereich sehen Sie das größte technologische Potenzial?

Grundsätzlich bedürfen alle mit dem Wald verbundenen Maßnahmen eine große Kontinuität und Langfristigkeit. Ein an den Klimawandel angepasster Wald lässt sich nicht in wenigen Monaten herstellen. Hier bedarf es vieler Jahre, sogar Jahrzehnte. Folglich können von der FNR begleitete Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen im Bereich der waldökologischen Klimawandeladaption kurzfristig nur Langfristentwicklungen anstoßen bzw. einleiten. Vergleichsweise kurzfristige Erfolgsmöglichkeiten liegen hingegen im gesamten Bereich der Digitalisierung. In diesem Handlungsfeld können sowohl technische Innovationen als auch technologische Weiterentwicklungen zeitnah zu signifikanten Effizienzsteigerungen führen.

Großes technologisches Potenzial liegt meines Erachtens im gesamten Bereich der holzbasierten Wertschöpfung. Innovative Holzverarbeitungstechnologien und ein energie- und ressourcenschonendes Bauen werden, ja müssen weiterhin an Bedeutung gewinnen.

Wie gut ist die Forst- und Holzwirtschaft bzw. die FNR mit der Klimaforschung vernetzt? In welchem Bereich besteht besonders Bedarf?

Wald und Klima stehen in einer untrennbaren Wechselbeziehung. So wie das Klima alle Waldentwicklung beeinflusst, wirkt Wald auf das Klima unserer Landschaften und macht sie erst lebenswert. Aufgrund dieser untrennbaren Abhängigkeiten zählen die forstliche Meteorologie und Klimatologie zu den ältesten forstwissenschaftlichen Disziplinen. Forstwirtschaft als auch Forstwissenschaft sind seit jeher fest mit der Erforschung von Wetter und Klima verwoben. Insbesondere seit dem Beginn des beschleunigten Klimawandels vor drei Jahrzehnten entwickelten sich die Kooperationen zwischen der Forst- und Holzwirtschaft und der Klimaforschung intensiv weiter. Auch die FNR forcierte seither den Austausch z. B. mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie weiteren Universitätsinstituten.

Wieder mit dem Blick auf die besondere Langfristigkeit der Waldentwicklung ist die Klimaforschung gefordert, der Forstwirtschaft möglichst verlässliche regionalspezifische Klimaprognosen bereitzustellen. Wer heute einen Baum pflanzt, legt damit den Wald für die nächsten ein- bis zweihundert Jahre fest. Er braucht also sichere Entscheidungsgrundlagen für eine standort- und damit klimagerechte Baumartenwahl.

Welche Rolle müssen aus Ihrer Sicht die Holz verarbeitenden Unternehmen im Krisenmanagement einnehmen? Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Unternehmen und wie kann die FNR hilfreich zur Seite stehen?

Die holzverarbeitenden Unternehmen werden sich in Zukunft stärker auf ein ungleichmäßiges, schwankendes Rohstoffangebot einstellen müssen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Holzprodukten, insbesondere für den Baubereich, hoch bleibt. Hier gilt es, innovative Fertigungstechniken und Produkte zu entwickeln, die durch die Projektförderung der FNR unterstützt werden können. Die Normung der Produkte ist auf geänderte Holzeigenschaften anzupassen.

„Daten sind der Rohstoff der Zukunft“ sagt unsere Kanzlerin. Welche Potenziale stecken in der immer weiter digitalisierten Welt für den Wald/Cluster Forst & Holz bzw. im „Runden Tisch Digitalisierung“?

Große Potenziale. Zuwachszahlen, Erntemengen oder Sortimente, das sind beispielsweise Daten die aufzeigen, wie eng die Forst- und die Holzbranche miteinander verbunden sind, wie wichtig der Austausch zwischen den Branchen ist. Mit der Digitalisierung werden diese mitunter holprigen Schnittstellen zu fließenden Übergängen. Dabei geht es hier vor allem um die Verständigung des Clusters auf standardisierte Datenformate, wie zum Beispiel ELDAT-Schnittstellen. Gleichzeitig muss aber auch die Infrastruktur passen. Stichwort hier: Netzabdeckung mit 5G.

Oder nehmen Sie 3D-basierte Planungsmethoden, die den Hochbau derzeit tiefgreifend verändert. Das eröffnet insbesondere für den Holzbau ungeahnte Chancen. Mit BIMwood fördert das BMEL derzeit ein Forschungsprojekt, das genau diese Möglichkeiten aufzeigen wird. Die Digitalisierung bietet großes Potenzial für Effizienzsteigerung sowohl in forstlichen als auch in holzwirtschaftlichen Prozessen. Und diese gilt es zu nutzen.

Holz gilt als ein Fundament einer zukünftigen Bioökonomie ohne fossile Rohstoffe. Welche Rolle spielt hier die FNR und welche Auswirkungen wird das auf den Wald haben?

Die holzbasierte Bioökonomie ist ein Treiber für innovative Technologien. Die FNR fördert bereits eine Vielzahl an Projekten zum Thema und hier besteht in Zukunft weiterhin ein hoher Forschungs- und Handlungsbedarf. Im Rahmen des Klimaschutzpaketes der Bundesregierung stehen weitere Mittel für eine Förderung innovativer Holzverwendungen zur Verfügung.

Der Wald erfüllt zur gleichen Zeit und auf gleicher Fläche Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen und die Anforderungen hinsichtlich dieser Ökosystemleistungen steigen stetig. Eine holzbasierte Bioökonomie wird allerdings nur funktionieren, wenn ein Gleichgewicht zwischen allen Funktionen hergestellt wird, ohne dabei den Nachhaltigkeitsgedanken aus den Augen zu verlieren. Um auch zukünftig die Rohstoffverfügbarkeit dauerhaft zu sichern, wird dabei die Erhöhung der Anpassungsfähigkeit unserer Wälder an das sich verändernde Klima eine große Rolle spielen. Im Rahmen des Waldklimafonds werden durch das BMEL und das BMU über die FNR hierzu gezielt Vorhaben gefördert.

Gleichzeitig steigt die gesellschaftliche Kritik an der Nutzung des Rohstoffs Holz. Wie kann das Cluster Forst&Holz hier aus Sicht der FNR reagieren?

 Verstehen basiert auf Wissen. Forst- und Holzwirtschaft kommen nicht umhin, immer wieder das faktenbasierte Wissen aufzuzeigen: etwa die Zusammenhänge von Klimaschutz und einer nachhaltigen Holznutzung darzustellen, der Gesellschaft und den Kritikern, transparent und ohne emotionale Aufgeregtheit. Das mag mitunter mühsam erscheinen, das halte ich aber für den einzig gangbaren Weg. Die Argumente einer nachhaltigen Holznutzung sind letztlich einfach zu überzeugend, auch für Kritiker. 

Was wünschen Sie sich in Zukunft für die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Holzwirtschaft und der FNR?

 Die Aufgaben der FNR sind vielfältig. Sie umfassen die Durchführung von Förderprogrammen des Bundes, die Sammlung und Aufbereitung entsprechender Fachinformationen sowie die Informationsverbreitung bzw. Öffentlichkeitsarbeit. Für die Holzwirtschaft bietet die FNR verschiedene Fachinformationen einerseits und Möglichkeiten der FuE-Förderung andererseits. Die FNR fördert den öffentlichen Dialog zur Forschung und Praxisumsetzung von Themen der nachhaltigen Forstwirtschaft und der innovativen Holzverwendung.

Um das Angebot von Fachinformationen weiter zu optimieren und für eine praxisorientierte Forschungsförderung wünsche ich mir in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Holzwirtschaft. Nur in Kooperation mit der Wirtschaft lassen sich Innovationen in der Praxis umsetzen und gemeinsame Ziele verwirklichen.

Die Zusammenarbeit der FNR mit der Praxis ist durch die Beteiligung der Verbände der Forst- und Holzwirtschaft als Fördermitglieder der FNR gegeben. Mir ist wichtig, dass auch wesentliche Natur- und Umweltschutzverbände als Fördermitglieder bei dieser Diskussion beteiligt sind, da deren Beitrag auch unverzichtbar ist.